April 2014

Apr 14, 2014

NaturFreunde werben für die solidarische Transformation

Pressemitteilung

Bundesvorstand

8.4.2014 | Seite 1 von 2

NaturFreunde werben für die solidarische Transformation

29. NaturFreunde-Bundeskongress: Kernthema sozialökologische Gerechtigkeit,

Michael Müller mit breiter Mehrheit als Bundesvorsitzender wiedergewählt

Berlin, 8. April 2014 – Die gesellschaftliche Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und

Solidarität stand im Mittelpunkt des 29. Bundeskongresses der NaturFreunde

Deutschlands vom 4.–6. April im thüringischen Arnstadt. Der mit breiter Mehrheit

wiedergewählte NaturFreunde-Bundesvorsitzende Michael Müller warnte eindringlich

davor, sich der Verantwortung für die Lebenschancen zukünftiger Generationen zu

entziehen und verwies dabei insbesondere auf die immer weiter voranschreitende

Zerstörung der biologischen Vielfalt, die Klimakrise, die rapide zur Neige gehenden

fossilen Ressourcen, den Zuwachs von Nahrungsmittelengpässen, Armut und Spekulation

sowie die weiterhin schwelenden Finanzkrisen. Müller: „Wir sind an den Grenzen des

Wachstums angelangt, die Natur schlägt zurück. Wir erleben heute einen echten

Epochenbruch, der das Leben aller Generationen verändern wird. Das ‚Weiter so‘

funktioniert nicht mehr, wenn wir keine Zukunft der Gewalt wollen. Aber das Zeitfenster

für Korrekturen wird immer kleiner.“

Die NaturFreunde Deutschlands plädieren für die Entwicklung eines neuen Naturverständnisses,

das die Natur als limitierenden Faktor für die Entwicklungen in Gesellschaft, Wirtschaft und

Technik anerkennt: Die Wirtschaftsordnung und die Technikentwicklung müssen sich den

sozialen und ökologischen Zielen anpassen und nicht umgekehrt. Dabei muss sich die

Gesellschaft aus der Abhängigkeit des Wirtschaftswachstums befreien, die sich immer stärker

zulasten der ökologischen und sozialen Lebensbedingungen auswirke, so Müller, der immer

wieder betonte: „Wir dürfen Wachstum nicht mit Entwicklung und Fortschritt verwechseln.“

Bundesumweltministerin Hendricks will soziale Gerechtigkeit verstärkt in Klimapolitik einbinden

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kündigte als Gastrednerin unter starkem Beifall

an, den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit verstärkt in die Klimapolitik einzubinden: Die

Energiewende dürfe nicht zulasten der finanziell Schwächeren gehen. Zudem erklärte sie den

NaturFreunden, die bereits seit dem Jahr 1963 den zivilen und militärischen Atomausstieg

fordern, den Stand des Atommüll-Endlagersuchgesetzes und der Atommüllkommission.

Anton Hofreiter, der als Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen, aber schließlich auch

als NaturFreund zu den Delegierten sprach, verwies auf die vielen Erfolge der Umweltbewegung,

warb gleichzeitig aber dafür, bei der sozialökologischen Transformation der Gesellschaft nicht

nachzulassen: „Wir stehen vor zwei gigantischen Herausforderungen: dem Klimawandel und dem

Artensterben“, so Hofreiter: „Das sind Katastrophen, die sich mit technischen Lösungen nicht in den

Griff kriegen lassen. Die ökologische Transformation der Wirtschaft und unseres Lebensstils muss

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einfach gelingen, dazu gibt es keine Alternative. Was machen wir denn, wenn die Natur ihre

Ökosystemdienstleistungen einstellt? Dann wird es für alle ganz, ganz eng.“

Beschlüsse für den Atomausstieg bis zum Jahr 2014 und gegen TTIP-Verhandlungen

Die etwa 120 Kongressdelegierten verhandelten rund 50 Anträge und fassten unter anderem

detaillierte inhaltliche Beschlüsse für die sozialökologische Transformation der Gesellschaft, den

Umbau des Energiesystems, den Atomausstieg bis Ende des Jahres 2014, eine sozialökologische

Verkehrswende, die Festschreibung von Lärmobergrenzen, ein Verbot von Agrotreibstoffen, den

Schutz der Alpen oder auch die Fahrradmitnahme in Bahnen sowie eine faire Chance für den

Wolf. Gleichzeitig sprachen sich die Delegierten gegen Fracking, die weitere Versalzung von

Werra und Weser oder den Einsatz von Kampfdrohnen aus.

Zudem wurden Forderungen an die Umweltpolitik der Europäischen Union formuliert und vier

Resolutionen verabschiedet: „Für eine sozial gerechte Gesellschaft“, „Sofortige Beendigung der

TTIP-Verhandlungen zwischen EU und den USA“, „Energiewende – aber richtig“ und „100

Jahre 1. Weltkrieg – Europas Erbe und Auftrag.“

Nachhaltiger Natursport ist wichtiger Verbandszweck, Friluftslifv-Philosophie wird gestärkt

Eine willkommene Abwechslung zu den intensiven Debatten bildete ein Natursport-Praxisteil, in

dem die Bundesfachgruppen Berg-, Kanu-, Schneesport und Wandern den Delegierten

Ausbildungsangebote vorstellten und zu Aktivitäten an der Kletterwand, auf der Slackline oder

am Paddeltrainer einluden. Der Kongress verabschiedete zudem einen Beschluss, der die

nachhaltige Natursportausübung als wichtigen Verbandszweck betont und auch einen Bezug zur

Traditionslinie der skandinavischen Friluftslifv-Philosophie herstellt.

Die NaturFreunde Deutschlands sind ein sozialökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver

Freizeitverband und haben in Deutschland rund 75.000 Mitglieder in 630 Ortsgruppen mit mehr

als 400 Naturfreundehäusern. NaturFreunde engagieren sich ehrenamtlich für die nachhaltige

Entwicklung der Gesellschaft und setzen dabei auf soziale und ökologische Verantwortung.

Weitere Informationen wie Audio-Mitschnitte verschiedener Reden, Resolutionen, das

Antragsheft oder Fotos auf: www.bundeskongress.naturfreunde.de

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Rückfragen bitte an

NaturFreunde Deutschlands

Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur

Michael Müller

Bundesvorsitzender

(0172) 246 21 25

mueller@naturfreunde.de

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